Es ist fast nichts unmöglich

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Entwurf für partizipative, interaktive Audioinstallation in der Justizvollzugsanstalt Heidering
Eingeladener Kunst-am-Bau Wettbewerb in der JVA Heidering Berlin Brandenburg
in Zusammenarbeit mit Katharina Heilein

2010

Ausgangspunkt dieses künstlerischen Entwurfs für die JVA Heidering sind Gespräche mit Inhaftierten, Haftentlassenen und Justizvollzugsbeamten über den Alltag in einer Justizvollzugsanstalt und die dort auftretenden Haftgewohnheiten. Dabei wurde von Inhaftierten, aber auch von Justizbeamten immer wieder auf die Bedeutung des Verlusts von Selbstständigkeit im Vollzugsalltag verwiesen:

„Nach 8 Jahren Haft bin ich vom normalen Strafvollzug in die Sozialtherapie gegangen und war so haftgewohnt, dass ich vor einer offenen Tür (also ich wusste nicht, dass sie offen ist), ich hab vor einer offenen Tür gestanden und gewartet, dass irgend jemand kommt und mir diese Tür aufschließt. Um da durchzugehen, weil ich es gewöhnt war, dass Türen abgeschlossen sind. Also da hab ich dann selber gemerkt, wie unselbstständig man wird.“[1]

Die Arbeit „Es ist fast nichts unmöglich“ setzt an diesem Punkt mit einer raumgreifenden skulpturalen und akustischen Intervention im Innen- und Außenbereich der Justizvollzugsanstalt an:

In der Vollzugsmagistrale, (dem Verbindungselement der Anstalt) werden drei Türen als skulpturale Elemente installiert, die nicht verschließbar[2] sind.

Beim Öffnen jeder dieser Türen wird das Abspielen eines Audiostücks ausgelöst. Dieses Audiosignal wird über die Elektroakustische Lautsprecheranlage in den Aufenthaltsräumen für Gefangene der Teilanstalten, dem Besucherbereich und dem Vollzugsgeschäftstellenbereich (Warteraum für Inhaftierte zur Aufnahme und Entlassung) zu hören sein.

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Die in jede Tür integrierte Audioarbeit (max. 20 Sek. Länge) macht für den Moment des Öffnens der Tür einen kausalen Zusammenhang erlebbar: das freiwillige Durchtreten (eine selbstbestimmte Handlung) löst eine Tonsequenz aus, die für viele andere in der Anstalt erlebbar wird und dadurch akustisch verschiedene Bereiche der Anstalt miteinander verbindet. Es entsteht ein akustischer Raum, der vor allem die Alltagsbereiche und Lebensräume der Insassen mit den Wartezonen in der Anstalt verbindet

Eine einfache, alltägliche Geste, das Öffnen einer Tür, die im Vollzugsalltag eine aufgeladene Bedeutung hat, wird hier zu einem Moment der Selbstständigkeit: In einem für alle zugänglichen und täglich zu passierenden Bereich der Anstalt, der Vollzugsmagistrale, schaffen die Türen einen Möglichkeitsraum, der durchaus spielerisch zu mehr Selbstständigkeit aufruft. Die Türen veranlassen beim Passieren der Magistrale jedes Mal zu der Entscheidung, durchzutreten oder vorbeizugehen.

Audioausschnitt aus Gespräch mit einem Inhaftierten als Referenz

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[1] Inhaftierter in der JVA Tegel, anonymisiert

[2] Die Türen stellen einen Gegensatz zu allen sonstigen Türen in der gesamten Anstalt dar, die laut Betriebsbeschreibung alle verschließbar und von Hand zu schließen sein müssen.